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Aggression

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Alt 13.07.2004, 13:38   #1
Sabsi
Standard Aggression

Wenn die Aggression nicht aus einer Krankheit oder einer Verhaltensstörung erklärbar ist, dann ist sie meist zielgerichtet und an eine Situation gebunden. Es kann dabei um eine Rangordnungsfrage, um Beutefang, Partnerwahl, den Nachwuchs oder um den Eigenschutz gehen.

Obwohl die Aggression in den meisten Fällen also situationsbedingt ist, kann sie sich sehr unterschiedlich zeigen. Den sogenannten Kommentkampf, den Beschädigungskampf und die Kampfspiele
.
Letztere lassen sich vor allem bei Kitten beobachten, spielen aber durchaus auch bei den erwachsenen katzen eine Rolle. Sie sind nicht wirklich ernst gemeint und dienen vor allem dem spielerischen Einüben des Kampfverhaltens.

Hingegen ist der Kommentkampf schon eher eine Art Kräfte messen. Aber auch er zielt nicht darauf ab den Gegener ernsthaft zu verletzen.
Richtig brutal wird es erst, wenn ein Beschädigungskampf entsteht. Einer der beiden Kontrahenten bleibt meist schwer verletzt oder sogar tot zurück.
Ja, auch das liegt in der Natur der Katzen.
Experten teilen die Formen des Zornes, der Aggression, auch noch ein: in Spielaggression, Angstaggression und Beuteaggression.


Das Problem beginnt in den Kinderschuhen
Wenn die Katze die Zähne zeigt, kommt das dennoch nicht von ungefähr.
Wie beim Menschen liegt das Grundübel oft schon im Aufwachsen. Werden Kitten zu früh von der Mutter getrennt oder herrschen schlechte Aufzuchtbedingungen, kann das die Seele der Katze schon ramponieren.Legt sie erst einmal ein aggressives verhalten an den Tag, ist es ideal, wenn man die Möglichkeit hat, die ersten Wochen retour passieren zu lassen.
Das ist relativ einfach wenn man das Tier selbst aufgezogen hat, gestaltet sich aber schwierig wenn man es aus Züchterhand bekommen hat oder eine Tierheimkatze zu sich nimmt. Darum sollte sich jeder sein Tier ganz genau anschauen bevor man es zu sich holt, außer man traut es sich zu mit einer Problemkatze umzugehen. Für einen erfahrenen Katzenhalter dürfte dies sicherlich kein Problem darstellen.
So ein Ernstfall muß natürlich nicht eintreten, aber möglichen Verhaltensstörungen sollte man sich gewachsen fühlen. Denn es macht es für das Tier nicht besser, wenn man es zwar zu sich nimmt, aber dann bald wieder zurückbringt.

Das Umfeld als wesentlicher Wohlfühlfaktor
Regelmäßiger Freigang kommt jeder Katze entgegen. Aber auch eine katzengerecht gestaltete Wohnung (Kratzbäume, Spielsachen, Kuschelecken) ist eine gute Basis, damit das Tier sich wohlfühlt. Denn die wenigsten verzweifeln an der Begrenzung des Raumes, sondern vielmehr an der Unmöglichkeit ererbte Verhalten auszuleben.
Wer tagsüber außer haus ist, sollte zudem dafür sorgen, daß der Vierbeiner nicht vereinsamt. Vernachlässigte Tiere neigen dazu, Verhaltensstörungen zu entwickeln. Diese äußern sich dann meist in zerkratzten Tapeten und intensiv riechenden Pfützen. Unsauberkeit und Zerstörungswut sind oftmals erste Anzeichen einer tiefen Unzufriedenheit.
Aggressionen gegenüber dem halter sind dann manchmal nur mehr eine Frage der Zeit. Ist man berufsbedingt, also ganztägig außer Haus und möchte sich trotzdem eine Katze als Lebensgenossen anschaffen, empfiehlt es sich deshalb, bereits vor diesem schritt darüber nachzudenken, ob man nicht Zweien ein Zuhause geben will.
Zwei Katzen (oder eine ganze Gruppe) praktizieren sämtliche Varianten eines sozialen zusammenlebens: Sie spielen miteinander, kuscheln gemeinsam, betreiben gegenseitige Ohrenpflege, tragen Meinungsverschiedenheiten miteinander aus und fressen gemeinsam.
Folglich ist es für sie nicht so schlimm, wenn die Bezugsperson mehrere Stunden abwesend ist, wie für eine Einzelkatze.

Falsche Behandlung
Der Umgang mit einer Katze erfordert gewisse Kenntnisse. Wer sich über die Bedürfnisse und Ansprüche des Tieres hinwegsetzt, verursacht ebenfalls Verhaltensprobleme.
Ein Beispiel: Wer seine Katze auf den Arm nimmt und sie festhält, obwohl sie deutlichen Unwillen signalisiert, kassiert höchstwahrscheinlich ein paar Tatzenhiebe. Reagiert man darauf auch noch selbst zornig und bestraft die Katze, eskaliert das Problem. Das Tier bekommt es unter Umständen mit der Angst zu tun und hegt ab diesem Zeitpunkt Aggression gegen den "renitenten" Besitzer.
Noch ein Beispiel: Man sollte seine Katze prinzipiell in Ruhe fressen und sich mit der fellpflege beschäftigen lassen. Sie kommt von selbst, wenn sie fertig damit ist und Lust hat gestreichelt zu werden oder zu spielen. Noch einmal zur Bestrafung: Lautes Schreien oder gar Schläge sind zur Bestrafung eines jeden Tieres, so auch der Katzen, ungeeignet.

Sie sind hochsensibel und reagieren auch rasch auf unangemessenes menschliches Verhalten. Die Folge ist dann ein Tier, das sich mit allen Mitteln zur Wehr setzt, wenn es sich in die Enge getrieben fühlt.

Dieses ist nur der erste Teil. Es folgt dann noch ein weiterer wie auch Stress Aggressionen auslösen kann und wie man dem entgegenwirken kann.
 
Alt 13.07.2004, 13:38
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Standard AW: Aggression

Ich kann dir den Ratgeber von Gerd empfehlen. Eventuell hilft dir das ja bei deinem Problem.
__________________
Schäppchen für Fellnasen
 
Alt 13.07.2004, 15:13   #2
Sabsi
Standard AW: Aggression

2. Teil

Stressverursacher
Es gibt Situationen die von vornherein stressverdächtig klingen. Katzen lieben ein geregeltes Leben und sind Neuerungen gegenüber meist nicht besonders aufgeschlossen. Ganz besonders deutlich wird das bei einem Umzug in eine neue Wohnung, bei Urlaubsfahrten, neuen Einrichtungsgegenständen, wenn der gewohnte Tagesrhytmus nicht mehr eingehalten oder eine zweite Katze ins haus geholt wird. Nicht zu vergessen, auch der Verlust eines menschlichen oder tierischen Freundes kann Trauer und Stresssymptome hervorrufen.

Auch Gerüche oder Geräusche können für Katzen unerträglich werden: Das schrill kreischende Kleinkind, das ewige Disco-Gestampfe, des Radios oder Maschinenlärm, beleidigen ihr feines Gehör.
Manche Tiere mögen auch keine Nikotinschwaden, Alkohol- oder Kochdunst. Und selbst von uns als angenehm wahrgenommene Düfte, wie ätherische Öle oder Parfüms, können bei Katzen Stress und in weiterer folge Aggression hervorrufen. Gar nicht zu reden von Reviermarkierungen der Artgenossen, die bei ängstlichen Einzelkatzen eindeutige Verhaltensveränderungen nach sich ziehen können.

Nun wollen wir handeln
Ist die Katze erst einmal garstig, ist ersteinmal Geduld und Verständnis angesagt. Zwangsmaßnahmen sind gänzlich ungeeignet und würden die Aggressionsbereitschaft nur erhöhen.
Experten empfehlen, besser ganz genau zu überlegen, in welchen Situationen die Katze besonders aggressiv reagiert, und zu versuchen genau diese Situation zu entschärfen.
Das heißt in der Praxis: Will sie nicht gestreichelt werden, so hat man das zu einfach zu akzeptieren. Mag sie es nicht, wenn fremde Besucherhände in ihr Kistchen greifen, sollten diese das unterlassen. Leidet sie, wenn sie zu oft den Ort wechseln muß, sollte man sie z.B. nicht mit auf Reisen nehmen.
Selbstverständlich sind das nur stellvertretende Beispiele für viele andere individuelle Problematiken, die auftreten können.
Im Fall des Falles sollten Sie jedenfalls rasch Rücksprache mit Ihrem Tierarzt halten. Er kann zusammen mit Ihnen darüber entscheiden, wie weiter vorzugehen ist. Als alternative Behandlungsmöglichkeit bieten sich etwa Bachblüten oder das Versprühen von Pheromonen in der Umgebung der Katze an. Unterstützung finden sie im Bachblütenforum.
Pheromone sind sind körpereigene Duftstoffe, die Katzen selbst auch abgeben, z.B. wenn sie ihren Kopf an bestimmten Stellen reiben.
Gestresste Tiere fühlen sich durch die Pheromone wieder sicherer. Je nach Problematik können "Feliway" oder "Felifriend", die beide beim Tierarzt erhältlich sind, angewendet werden.

Geht gar nichts mehr und entwickelt sich ihr Zuhause tatsächlich trotz aller Gegenmaßnahmen weiter zu einer Katzen-Kampfarena, dann hilft nur mehr der Gang zum Tierpsychologen. In Österreich gilt Denise Seidl (www.tierpsychologie.at) als erfahrene Kapazität auch in schwierigen Fällen.
Ich hoffe jemand kann uns auch einen erfahrenen Tierpsychologen in Deutschland und in der Schweiz nennen.

Vorbeugen ist allerdings, wie immer, auch hier besser als heilen. denn aggressives Verhalten hat stets eine Ursache.

Wer bei der Auswahl seiner Katze gezielt vorgeht, seinem Tier von Beginn an einen artgerechten Lebensraum einrichtet und ihm katzengerechte Zuwendung und Pflege angedeihen läßt, wird in den seltensten Fällen Probleme mit dem Vierbeiner bekommen.

Jetzt bleibt mir noch, Ihnen viel Freude mit Ihrem neuen Mitbewohner zu wünschen!
 
Alt 13.07.2004, 15:30   #3
silbertabby

Standard AW: Aggression

Liebe Eva,

dankeschön für den tollen Beitrag – der sollte meiner Meinung auch unbedingt ins Schatzkästchen aufgenommen werden!

Liebe Grüße
 
Alt 15.07.2004, 20:19   #4
Gast
Standard AW: Aggression

Wow...
und wieder etwas gelernt :P
Super Beitrag

Toniluk
und
 
Alt 15.07.2004, 21:11   #5
Susanne Desic
Standard AW: Aggression

Prima Beitrag, sehr interessant!
 
Alt 15.07.2004, 21:27   #6
Gast
Standard AW: Aggression

Hallo,

der Beitrag ist wirklich toll! Danke, daß Du so viel Zeit investiert hast, den ganzen Text einzutippen!
Die Passage "Katze nicht gegen ihren Willen festhalten" als Beispiel finde ich besonders wichtig - schließlich ist der Dosi verantwortlich für einen Katzengerechten Umgang mit dem vierbeinigen Mitbewohner - und nicht das Miez als "Unterhaltungsgegenstand".
Das kann man nicht oft genug erwähnen!

Lg Livi
 
Alt 03.10.2004, 21:34   #7
Gast
Standard AW: Aggression

Hallo Eva,
ein Beitrag der sehr zum Nachdenken anregt und mich veranlasst, mein Verhalten unserem Mitzekater gegenüber zu überprüfen. Danke für die vielen Tips und Fingerzeige
Heike
 
Alt 03.10.2004, 22:54   #8
Polliee
Standard AW: Aggression

Hallo Eva,

Danke für diesen super Beitrag!!!!!!! Wirklich sehr informativ!

Liebe Grüße
Polliee
 
Alt 04.10.2004, 10:27   #9
Gast
Standard AW: Aggression

Hallo,
danke für den interessanten Beitrag. Der passt wie die Faust auf´s Auge, zu meinem Problem.

Vor einigen Tagen hab ich mir aus dem TH meine beiden "Neuen" geholt. Peter und Paul sind zusammen abgegeben worden und sollten auch zusammen vermittelt werden. Angeblich waren sie beide Wohnungskatzen. Wie alt sie sind weiß ich noch nicht, wir müssen diese Woche erst zu TA. Wobei Paul wahrscheinlich der ältere ist.

Nun stelle ich fest das Peter den Paul, vorzugsweise Vormittags, richtiggehend attakiert. Paul sitzt ruhig irgendwo rum und Peter springt auf ihn drauf und beißt ihm in den Nacken, dann flüchtet Paul und Peter wie ein bekloppter hinterher. Ernsthafte, d.h. blutendet Verletzungen hab ich noch nicht entdeckt, nur ein paar Fellbüschel mußte ich einsammeln.
Peter ist auch sonst sehr unruhig und rennt oft laut weinend und maunzend durch die Wohung.
Paul ist meißt sehr ruhig.

Hab sie auch schon lieb miteinander gesehen, wenn sie sich gegenseitig das Köpfchen geleckt haben, ist aber eher selten.

Ist das normal? Oder hat mich das TH geneppt und sie wollten einfach nur 2 Katzen auf einmal loswerden? Sind sie vielleicht gar keine Wohnungskatzen und der Peter will einfach nur raus? Das darf er ja bald.

Was meint ihr?

Christel
 
Alt 13.01.2005, 13:29   #10
Shalina
Standard AW: Aggression

Zitat:
Zitat von christel
Ist das normal?

Was meint ihr?

Christel
... schade das auf diese Frage keiner mehr geantwortet hat.
 
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