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Das Weihnachtswunder

Veröffentlicht: 19.12.2017 um 13:55 von Angela67

Das da ist garantiert nicht für mich. Sie hockt da – elegant wie es nur sie können. Verneint das was offensichtlich ist. Nein – sie ist sich sicher wie es nur sie sein können – das da ist garantiert nicht für mich. Da bin ich nicht gemeint. Und sie schließt hoffnungslos ihre grünen Augen.

Es ist warm hier – wärmer als das Leben was sie seit Jahren kannte. Eng ja. Aber man kümmerte sich um sie. Um den Schmerz in ihren Knochen. Den in ihrem Maul. Endlich Futter. Fressen können so viel sie wollte. Kein Hunger mehr. Keine Angst mehr vor ihnen die jünger und stärker sind. Trotzdem ist es hier trostlos. Es riecht nach Krankheit und Tod. Etwas Hoffnung ja. Dafür ist dieser Ort eigentlich da – aber viele sterben hier – hoffnungslos – allein. Zumindest friert sie nun nicht mehr. Der Magen seit langem endlich satt und gefüllt.

Warum? – der Weihnachtsmann winzig klein vor ihr hockend auf dem kahlen Boden – schaut sie fragend an – glaubst Du nicht daran? Nicht daran dass es Wunder gibt? Nicht daran dass es Hoffnung gibt – auch oder vor allem für Dich an einem Tag wie heute? Sie schnauft – bläst ihm ihren Atem ins Gesicht – so heftig dass es ihn fast dahinweht – und gibt so die Antwort – sie ist ohne Hoffnung – bereit zu sterben.

Wo ist das hier? Wer ist sie? Warum ein kleiner Weihnachtsmann? Fragen über Fragen – und bevor ich weiter fahre in dem was passieren wird – im jetzt und dort des einen 24.12. eines beliebigen Jahres – wende ich mich der Beantwortung dieser Fragen zu. Das dauert länger und bedarf einiger Erklärungen. Entschuldigt bitte und hört zu.

Das wo ist einfach zu erklären – wir sind in der Quarantänestation eines Tierheimes wo sie – eine Katze über die Jahre namenlos geworden – von einem mitleidigem Autofahrer eingeliefert wurde. Dieser fuhr just an diesem Morgen des 24.12. des Weges um für seine Familie – vor allem für seine kleine Tochter – einen oder den Weihnachtsbaum zu holen. Seine Gedanken waren beim kommenden Fest. Es war noch dunkel draußen. Kalt. Die Straßen glänzten nass und kalt. Er träumte von den Kugeln am Baum wie sie das Lächeln seiner Tochter wiederspiegeln würden – sähe sie die Lichter funkeln und die Geschenke welches das Christkind gebracht hätte. Er riecht das Holz im Kamin – spürt in der Kälte des Autos die Wärme des Feuers. Schmeckt die Gewürzplätzchen. Dann knallt es. Leise – aber laut genug um seinen Traum zerbersten zu lassen. Er schreckt auf – sieht noch etwas humpelnd von der Straße aufstehen und sich ins Gebüsch nahe der Straße schleppen.

Er bremst – hält an. Schaut sich um. Im früh des dunklen morgen ziehen die ersten Strahlen der morgendlichen Helligkeit auf. Zertrennen mit zarten Fingern die Düsternis. Trotzdem ist es grau dort draußen. Kalt. Ungemütlich. Er sitzt im Auto – zittert – erschrocken wie er ist. Überlegt – aber nur ganz kurz – ob er weiterfahren soll. Nein – er schüttelt den Kopf – das kann er nicht. So steigt er aus – folgt seiner Erinnerung wohin der Schatten verschwunden ist. Folgt dem Schmerz der ihr durch die Knochen geschossen ist. Findet sie dort im Gebüsch. Zusammengekauert – die grünen Augen angstvoll auf ihn gerichtet. Bereit sich weiter zu schleppen – sich in Sicherheit zu bringen.

Bleibe – der winzige Weihnachtsmann vor ihr im Gras spricht zu ihr. Beruhigend. Es wird ein Wunder passieren. Sie starrt ihn an – dieses winzige Wesen – Wunder? – sie schluckt – was ist das? Das was Dir passieren wird – heute – der Winzling lacht perlend und dröhnend zugleich. Und während sie die Erscheinung anstarrt vergisst sie das weglaufen. So erreicht die zarte sanfte Hand des Menschen sie. Er packt sie sanft – dass ihre Schmerzen kaum zu nehmen – packt sie warm ein – und schafft sie in sein Auto wo es warm ist. Geschützt vor dem Regen der Nacht. Sie schließt ihre Augen. Schnurrt. Den Winzling in seiner roten Robe und dem weißen Bart auf ihrer Schulter bemerkt sie nicht, wie auch der Mensch ihn nicht sieht.

Weihnachten das Fest der Liebe. Nicht nur für uns Menschen. Wer das denkt denkt falsch und zeigt eine Art zu denken wir Menschen seien etwas Besonderes. Nicht vor Gott dem Schöpfer der alles was auf der Welt existiert erschaffen hat. Uns zwar nach seinem Ebenbilde – so erzählt man es – aber warum sollte er etwas erschaffen was weniger wert ist als das andere? Warum also sollte solch ein Tag nicht auch für sie da sein – die Katzen? Sie erleben es nur anders. Daran erinnert euch. Weihnachten ist der Tag an dem Wunder passieren. Und Katzen sind die Lebewesen die sie sehen – denjenigen der diese Wunder in SEINEM Namen in die Welt bringen. Wir nennen ihn den Weihnachtsmann – woanders hat er einen anderen Namen. Namen aber sind Schall und Rauch – wichtig ist nur das wofür er steht. Liebe und Hoffnung für uns und alle anderen Lebewesen auf dieser Welt.

So erscheint er dieses Jahr ihr – die sich nicht erinnert wie sie hieß – früher – wo sie jung war. Sie die schon lange nicht mehr schön ist – kräftig oder gesund. Hin und wieder kommen sie wieder die Träume – die Erinnerung an eine bessere Zeit. An eine Zeit wo sie einen Namen hatte. Die Zeit bevor sie alles verlor. Aus Dummheit – das weiß sie heute. Aber sie war damals jung und neugierig. Ihre Menschen unachtsam. Daher ist sie heute dort wo sie ist – hungrig. Krank. Eher dem Tode nahe denn dem Leben. Was war passiert damals? Die Träume kommen – und dort im Traum schlüpft sie nicht aus der Tür und rennt davon – neugierig was diese große Welt ihr vor Leben strotzend zu bieten hat. Die Nacht kam damals nach der Sonne. Dunkel wurde es und damit kam auch der Hunger. Die Kälte und sie die anderen Katzen. Nun lernte sie dass sie nichts wusste vom Leben draußen. Sie versteckte sich – hörte dem Brausen der Autos zu. Hörte Menschen schreien. Katzen sie verfolgen. Das Draußen bot Schrecken – zu viel für sie. Und sie blieb in ihrem Versteck auch als sie ihre Menschen nach ihr rufen hörte. Tage lang. Nächte lang. Der Hunger kam, blieb und wurde stärker. Sie kroch aus ihrem Versteck – fraß das was ihr ihre Menschen hingestellt hatten und verschwand – wurde zu ihr – die sich nicht an ihren Namen erinnerte – nicht mal im Traum.
So vergingen die Jahre. Sie lernte es sich durchzusetzen. Sie war stark und mutig. Es war kein leichtes Leben. Es zeichnete sie. Verkrüppelte Ohren zeigen von Kämpfen. Krankheiten kamen und gingen teilweise nicht. So wurde sie schwächer und schwächer – und damit das Leben draußen schwerer denn es gab genügend andere – die stärker waren als sie heute. Sie überlebte – bis heute – bis sie das Schicksal im wahrsten Sinne des Wortes traf – sie mit dem Auto kollidierte.

Nun hockt sie hier im Warmen – hört dem zu was ihr der winzige Weihnachtsmann verspricht. Ihr der Hoffnungslosen. Ihr erklärt – ein Wunder nur für sie sei passiert. Und er redet weiter und spricht und redet – während der Mann sie in das nächste Tierheim bringt. Man untersucht sie dort. Gibt ihr Medikamente – die es schaffen dass sie sich besser fühlt. Man kämmt sie – bürstet sie – wäscht sie. Endlich sauber. Und man kommt mit einem Gerät an – sie ist zu betäubt um sich zu wehren – liest etwas in ihrem Körper aus – von dem sie vergessen hat dass sie es in sich trägt. Ach Du scheiße – hört sie – da werden sich aber welche wohl freuen. Glaubst Du wirklich nach der Zeit? 10 Jahre immerhin. Denke – so die erste Stimme – sicherlich. Ich freute mich wenn mir das passierte. Und sie packten sie sanft – sperrten sie in eine Box – gaben ihr Futter – und endlich verschwand der Schmerz in ihrem Bauch welcher die Leere bescherte. Nur der kleine Wicht blieb als die Menschen verschwanden – und die anderen Tiere in ihren Boxen. Genauso wie der Geruch nach Trostlosigkeit – Tod – und Schmerz.

Das da – sie ist sich sicher – so sicher wie es sich nur eine Katze sein kann – also zu 100 % und darüber hinaus – ist nicht für mich. Der Winzling lacht perlend und grollend zugleich. Woher willst Du das wissen? Es ist Weihnachten und das ist der Tag der Wunder.

Die Tür zur Quarantänestation hatte sich geöffnet. Lies Licht hinein – und erbracht 5 Menschen in ihre Trostlosigkeit. Sie starrt ihnen mit grünen Augen entgegen – stockt – zittert – schreit. Den Geruch kennt sie aus ihren Träumen. Das Licht erstrahlt im Raum – die Menschen starren in ihre Box – Linda? – klar – einer der Menschen – er ist etwas kleiner als die anderen – schreit es – das ist Linda – klar ist sie das. Und sie erinnert sich – das ist ihr Name. Sie zittert. Schnurrt. Miaut. Schreit. Wir sind uns sicher – auch ohne Chip – das ist unsere Linda. Wie kann das sein? Nach all den Jahren? Und das gerade heute?

Ein kleiner Weihnachtsmann lächelt sie strahlend an – also nicht für Dich? Da bist Du Dir sicher? So richtig sicher? Und während er verblasst – vor ihren Augen verschwindet – nimmt das Weihnachtswunder seinen Lauf. Sie die verloren war – wurde wiedergefunden.

Und wer diese Geschichte nicht glaubt? Der glaubt nicht an Wunder.
Kategorie: Kategorielos
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Kommentare 1

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Avatar von Mohrle
    So eine einfühlsame wunderbare Geschichte

    Und nun frage ich dich Angela ...
    Wie konntest du ??
    15 oder 17 Jahre .. egal ... alleingelassen

    Warum nur
    Veröffentlicht: 24.02.2018 um 21:31 von Mohrle Mohrle ist offline
    Aktualisiert: 24.02.2018 um 21:32 von Mohrle
 


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