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Keine Katzengeschichte: das Haus der Heilung

Veröffentlicht: 14.05.2017 um 19:13 von Angela67

Was soll ich mit diesem Haus? Die Stimme des Alten klingt skeptisch.

Träume sind Portale in eine andere Welt. Ihr müsst nicht glauben, nur lesen und vielleicht verstehen. Lasst euch entführen. Mitnehmen. Folgt mir in seine Erzählung.

Am Abend hatte er sich zum Schlafen gelegt wie immer. Einsam über die Jahre geworden. Einsamer nachdem seine Frau von ihm gegangen war. Oder wie man den Tod noch so nett umschreiben wollte. Die Seite auf der sie schlief frei. Das Bett dennoch frisch bezogen. Nach ihrem Tod hatte es noch lange nach ihr gerochen. Über die Zeit verlor sich auch dies und die Einsamkeit kam näher.

Er hat keine Freude am Schlaf. Wach sein, schlafen oder schlafen und wach sein? Das Leben hat den Glanz verloren. Jeder Tag wie der andere. Schauten wir uns um bei ihm, sähen wir es. Das Haus ist kalt, leblos. Wir erkannten noch die Reste von Wärme und Leben. Es stirbt – wird kälter und trostloser. So ist es egal – schlafen oder wach sein. Träume bringen keinen Trost.

An eben jenen diesem einen Abend war es wie immer. Stopp, nicht ganz. Ein Kind hatte geklingelt. Gekleidet in diese Uniformen welche er aus den Filmen kennt, die Pfadfinder tragen. Hatte ihm Kekse verkaufen wollen. Kekse mag er nicht, aber er gab dem Kind trotzdem eine Spende. Zum Dank hatte es ihm eine Blume gegeben. Ihm lächeln erklärt, diese sei etwas Besonderes, schenkte ihm doch einen guten Traum. Er hatte gestockt als er sie entgegen nehmen wollte. Dachte verstört daran, woher dieses Kind wissen sollte, dass er von ihr träumt. Von den letzten Stunden ihres Lebens. Immer und immer wieder. Das Lächeln des Kindes war strahlend. So verging dieser kurze Moment des Unwohlseins und er nahm die Blume entgegen.

Sie steht nun neben dem Bett. Blau die Blüte. In einer roten Glasvase. Ein bunter Farbklecks im sterilen kalten weiß dieses Schlafzimmers. Zu Bett gehend fiel sein Blick noch auf sie. Der letzte Blick, der sonst ihrem Bett galt, gilt an diesem Tage dieser blauen Blume in dieser roten Glasvase. Seine Augen fallen zu und er fällt in den Schlaf.

Fallend erwacht er. Wissend er träumt und ist doch wach. Ist hier – wo immer dies auch ist. Der Himmel pupurfarbend – das blau der Blüte mit dem rot der Vase gemischt. Lavendelfarbene federne Wolken überziehen den Himmel. Die Sonne ist mild. Unter seinen nackten Füßen (warum muss er auch hier im Schlafanzug sein?) weißes Gras, welches sich kissenartig und weich anfühlt. Sanfte Hügel am Horizont. Der Wind trägt einen angenehmen Geruch in sich. Er schließt seine Augen, breitet seine Arme aus. Ruhe, Frieden, endlich.

Sie sind – die Stimme unterbricht die Ruhe – sicherlich wegen des Hauses hier. Er öffnet wiederwillig die Augen. Vor ihm ein Männchen. Klein, dürr. Lange braune Haare zum Zopf gebunden. Ein weißer Anzug. Welches Haus? Die Worte fließen automatisch. Na – das Männchen strahlt – dies dort – und zeigt auf ein Haus welches auf dem nächsten Hügel zu erkennen ist. Haus ist gut – denkt er – ein Schloss. Türme zieren das Hauptgebäude. Bunte Wimpel flattern fröhlich im Lufthauch. Weiß gekalkt die Mauern. Die Fenster – rosa – er schluckt heftig – umrandet.

Was soll ich mit diesem Haus? Die Stimme des Alten klingt skeptisch. Und so erzählt ihm das Männchen von diesem Ort. Diesem Ort im Traum. Diesem Traum von einem Ort. Einem Haus so wunderlich.

Träume sind Portale in andere Welten, andere Dimensionen. Dies hier – so die Stimme des Männchens klar und leise – ist die der verloren und verletzten Seelen. Hierher kommen sie des Nachts im Traum um zu heilen. Der alte Mann nickt. Hatte er doch selbst den Frieden gespürt als er hier ankam. Endlich Frieden, keinen Schmerz. Keine Einsamkeit. In diesem Hause dort – das Männchen zeigt mit einem Nicken dorthin – finden sie sich – diese Seelen. Kommen zusammen. Bleiben solange sie hier sein müssen um zu heilen. Ob träumend des Nachts oder als Tagträumer des Tages. Oder mit jeder Träne die jemand vergießt aufgrund eines großes Schmerzes. Hier ist der Ort an dem sie heilen können. Frieden finden.

Schön und gut – der alte Mann holt tief Luft – und als ob er sich aus einem Traum in die Wirklichkeit begäbe innerhalb eines Traums die Frage stellend – was aber hat das mit mir zu tun?

Mit Ihnen? Das Männlein lacht – perlend – als ob jedes Lachen sich nahtlos an das vorige reiht. Klar, rein. Dieses Haus braucht jemanden der auf es aufpasst. Eine verwundete Seele, die sich nach Liebe sehnt. Danach sehnt, Liebe geben zu dürfen und zu können, weil ihr Herz so groß und so rein ist, dass Liebe, Vertrauen, Mitgefühl im Überfluss vorhanden ist, dass sie geben kann. Jemanden wie Sie. Das Haus hat Sie erkannt und Sie werden es erkennen.

Je weiter das Männlein redet – von den verwundeten Seelen, von der Heilung hier an diesem Ort, von der Hoffnung auf ein Leben ohne Schmerzen, auf die Hoffnung Liebe, Vertrauen, Mitgefühl zu finden, und sei es nur im Traum, hört er es, das Haus. Hört wie es ihn ruft. Mit ihm spricht. Sich ihm vertraut macht. Erkennt dass eine Liebe vergebens ist, wenn diese einer Stelle in seinem Bett gewidmet ist, die längst erkaltet ist, weil sie weg ist. Liebe, die er zu geben hat. Die er geben will. Und er hört ihm zu, diesem Haus. Schließt die Augen und hört zu.

Die Morgensonne findet ihn in seinem Bett. Friedlich schaut er aus. Ein Lächeln auf seinem Gesicht. Seine Tochter die ihn finden wird, wird erklären, er habe ausgesehen, als hätte er endlich seinen Frieden gefunden. Und sei es auch nur in den letzten Sekunden seines Lebens gewesen. Ein Wissen was ihr Trost geben wird in der Traurigkeit dieses Abschiedes.

Und ich? Woher ich das alles weiß? Ganz einfach. Ich war da. War dort in jenem Haus in einem Traum. Spürte dort die heilende Kraft dessen was verwundete Seelen spüren können, wenn sie an Wunder glauben. Sah den pupurfarbenen Himmel mit den federnden Wolken. Lief über das kissenartige weiße Gras. Roch den betörenden Duft im Wind. War Gast in diesem weißen Schloss mit den rosafarbenen Fenstern. Sah ihn, diesen alten Mann, der Hoffnung gibt. Liebe. Verständnis und Mitgefühl. Und ich fing an zu heilen.

Träume sind Portale in andere Welten und Dimensionen. In welche trägt euch euer Traum?
Kategorie: Kategorielos
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Kommentare 1

Kommentare

  1. Alter Kommentar
    Avatar von Mohrle

    Haus der Heilung

    Liebe Angela
    eine Wunderbare Geschichte ,zunächst traurig erscheinend ,dann aber voller ergreifender Hoffnung und Glücksgefühlen !
    Danke
    Liebe Grüße
    Renate
    Veröffentlicht: 18.06.2017 um 13:05 von Mohrle Mohrle ist offline
 


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