Katzenforum von Netz-Katzen.de

Zurück   Katzenforum von Netz-Katzen.de > Blogs > Angela67

Bewerten

Der Frühlingsverhinderer

Veröffentlicht: 24.05.2013 um 10:21 von Angela67

Der Himmel ist grau. Schwarze Wolkenwände treiben sturmgepeitscht über mich hinweg. Eine Nebelwand um mich herum. Die Straße schwarz vor Nässe. Regen prasselt auf das Dach meines Autos - lässt ein Stakkato erklingen. Die Scheibenwischer können der Sintflut nichts entgegensetzen. Mit Schritttempo krieche ich nach Hause. Die Heizung leistet Höchstarbeit. Ein leises Piepen zieht meine Aufmerksamkeit zum Bordcomputer. Achtung - informiert mich dieser in fröhlichen roten Farben - 3 Grad Außentemperatur - Glättegefahr. Obwohl es gerade 16.00 Uhr ist - fahre ich mit Licht.

Zu Hause angekommen - erwartet mich der Sturm als ich das Auto verlasse. Der Nebel umhüllt mich - Regen prasselt auf mich herab. Aus der Nebelwand dringt ein Krächzen auf mich ein - ein gestreifter Kopf erscheint - pudelnass. Die gelben Augen missmutig - warum - knarrt es - dauerte es so lange? Warum - die Stimme krächzend - bist Du so lange weg - Du Frau Du? Der gestreifte Kopf verschwindet wieder hinter der Nebelwand - während ich das Auto schließe - meine Einkäufe packe und diese zur Haustür schleppe.

Drinnen ist es trocken - windstill. Zwei Katzen - die schauen müssen - was ihr Frauchen da so gekauft hat. Wissend - irgendetwas fressbares für sie muss sich in den Tüten befinden. Der gestreifte schließt sich an.

Ein Blick aus dem Wohnzimmerfenster zeigt mir die Welt - der Garten im Nebel verschwindend. Der Himmel sturmgepeitscht. Regen prasselt auf das Dach - auf die Dachfenster - Gewehrschüsse gleich. Der Wind zerrt und rüttelt an den Dachziegeln. Die Platane streckt ihre fast blattlosen Äste in den dunklen Himmel - der Sturm lässt sie wie Skelette hin und her bewegen. Die Geranien auf dem Balkon versuchen einen kleinen Tupfen Farbe mit ihrem Rot in diese graue Welt zu setzen.

Das Thermometer an der Wand zeigt - Außentemperatur 3 Grad - Raumteperatur wohlige 21 Grad. Warum genug ja - aber kuschelig? Nein - davon kann keine richtige Rede sein.

Während ich beginne die Einkäufe einzuräumen - muss eine Missus Bright trotz Unwetters in den Garten. Frauchen - erklärt sie mir mit zirpendem Stimmchen - was soll den die Amsel denken - erscheine ich nicht? Die lacht sich doch jetzt schon kaputt dass ich sie nicht vom Baum bekomme. Dabei - sie lächelt - will ich doch nur mit ihr SPIELEN! Die Terrassentür öffnend erfasst mich der Sturm. Die Wolkentürme scheinen ins Haus eindringen zu wollen. Die Nebelwand erdrückt mich. Trotzdem - ein grauer Fellball hopst in die Kälte - entschwindet im Sturm des grauen Nachmittags.

Die Einkäufe sind verpackt - Bright wieder ins Haus gelassen. Nun nehme ich auf meinem Ohrenbackensessel Platz - mir vornehmend - das Grau des Draussens mit einer Lektüre eines guten Buches auszuschließen. Ein weißer Kater erscheint - marschiert zum erkalteten Kamin - schaut durch die Scheibe in die Brennkammer - patscht mit der Pfote dagegen - riecht an dem Schließmechanismus. Stumm hockt er sich hin - wendet den Kopf mir zu - wortlos. Dreht den Kopf dann wieder dem Kamin zu - patscht mit der Pfote gegen die Scheibe - mir anzeigend - Frauchen - das da ist kalt. Das da hat nicht kalt zu sein. Das da soll warm sein. Also Frauchen tu etwas dagegen. Ich - sagen die blauen Augen in dem weißen Gesichtchen - will im Bettchen auf dem warmen Kamin liegen. Das ist das - was spanischen Katern zu steht. Ich kraule das weiche dichte weiße Fell - etwas irritiert - sollte er nicht langsam sein Sommerfell bekommen? Haaren? Sämtliche Möbel mit weißem Flaum überziehen?

So bleibt er dort hocken - vor dem kalten Kamin - sein Blick wandert von diesem zu mir und wieder zurück. Seufzend gebe ich nach - wissend - auch mir wird bei diesem unwirtlichem Wetter draußen ein Kaminfeuer gut tun. Für Leib und Seele. Das Knistern wird das Prasseln des Regens dämpfen. Der rote warme Schein des Feuers den Nebel vertreiben. Die Druckwärme die Kälte draußen halten.

Ein paar Minuten später prasselt ein warmes Feuer im Kamin. Seymour nun glücklich erklimmt den Kratzbaum neben diesem - klettert dann auf den Kamin - in sein Bettchen. Ein bisschen Herumgerucke hier und da - ein wenig drehen - die richtige Schlafposition zu finden ist wichtig. Vier Pfoten über den Rand des Bettchens geworfen - den Kopf in die Rundung gepresst - liegt er da - schnauft noch kurz - dann erklingen Schnarchgeräusche - während er schlafend mit offenen Augen ins Nichts starrt. Sein Bettchen vom Feuer unter ihm in der Brennkammer erwärmt.

Bevor ich wieder in meinem Ohrenbackensessel Platz nehmen kann - eine Tasse Lakritztee neben mir auf dem Tischchen - ein paar Walkers Shortbread auf dem Kuchenteller daneben - bereit die Wärme zu genießen - das bereitgelegte Buch zu lesen - somit das Grau dieser trostlosen Welt auszuschließen - erklingt die Klingel der Haustür. Leicht seufzend lasse ich alles stehen und liegen - eile zur Tür - öffne diese - und finde mich allein - kein Mensch steht vor der Tür. Leicht irritiert schaue ich mich um - der Sturm dringt in den Hausflur - der Nebel folgt. Dank Überdach kann der Regen diesen Beispielen nicht folgen - er muss draußen bleiben. Etwas verärgert schließe ich die Tür - gehe ins Wohnzimmer - nur um vor Schrecken fast umzufallen. Der Mann, der im Wohnzimmer steht, scheint viel zu groß für dieses zu sein. Graue Haare umrahmen ein wettergegerbtes edles Gesicht. Der Tweedanzug passt perfekt - zeigt - oder eher modelliert die breiten Schultern und die schmale Hüfte. Graue Augen blitzen.

Dies hier - seine Stimme warm - muss aufhören. Es fällt - fährt er fort - ohne weitere Erklärungen ob seinem Begehr oder seiner Person zu liefern - in Ihr Verantwortungsbereich. Sie - er zeigt mit einem Finger auf mich - damit unmissverständlich klar ist - wen er meint - haben dafür zu sorgen - dass alles wieder ins Lot kommt. Also - seine Stimme immer noch warm - aber mit einem unmutigen Tonfall - was gedenken Sie zu tun?

Einatmen - denke ich - ausatmen. Beruhigen. Keinen Ohnmachtsanfall. Die Atmung nicht vergessen. Langsam schließe ich die Augen - öffne diese - rein in der puren Hoffnung - die Halluzination wäre verschwunden - wenn ich die Welt wieder erblicke. Nein - die Erscheinung steht immer noch dort - mitten in meinem Wohnzimmer und scheint diesen Raum durch seine schiere Größe zu sprengen. Die grauen Augen auf mich gerichtet. Wortlos auf Antwort auf seine Frage wartend. Eine Frage - ich muss es gestehen - die ich nicht verstand.

Wer - ich räuspere mich - hoffend die Angst aus meiner Stimme verdrängen zu können - sind Sie? Woher kommen Sie? Was wollen Sie? Was machen Sie in meinem Wohnzimmer? Ein Schwall aus Fragen dringt aus meinem Mund. Prallt am Schweigen ab. Haben Sie - die Stimme immer noch freundlich - warm - ungeduldig - einen Blick auf Ihren Kalender geworfen? Er bewegt sich etwas - von einem Bein auf das andere. Der Raum um mich herum schrumpft ob seiner schieren Größe noch mehr. Kurz überlege ich - ob es die Höflichkeit geböte - ihm Kaffee anzubieten? Nein - diesen Gedanken verwerfe ich sofort. Haben Sie - er kling nun weniger freundlich - einen Blick auf Ihren Kalender geworfen? Mir scheint es - diese Frage ist wichtig. Oder eher - korrigiere ich mich - die Antwort darauf. Was - wieder ein kleines Räuspern in der Hoffnung meine Stimme klingt stärker - weniger nach dem Piepsen einer Maus - hat der Kalender mit Ihrem Erscheinen zu tun? Ganz davon abgesehen, dass Sie mir immer noch nicht sagen, wer Sie sind, woher Sie kommen, wie Sie in mein Wohnzimmer gelangten und was Sie möchten! Haben Sie - als ob das die Antwort auf all meine Fragen wäre - einen Blick auf Ihren Kalender geworfen? Damit - ich werde nun wütend - wir einen Schritt weiterkommen - ja - habe ich. Demonstrativ zeige ich auf den literarischen Katzenkalender rechterhand an der Wand. Und - seine Stimme immer noch ungeduldig - welches Datum haben wir? Er verschränkt die Arme vor seiner Brust. Starrt mich ungnädig aus grauen Augen an. Wimpern lang und dicht umrahmen diese. Gut - gut - ich atme tief durch - damit wir endlich weiterkommen - spiele ich Ihr Spiel mal mit. Demonstrativ wende ich mich dem Kalender zu. Also - erkläre ich lehrerhaft - der angezeigte Monat ist der Mai - als Tag mache ich den 23. aus. Zusammengenommen ist es der 23.05. - und - ich drehe mich dem Mann nun zu - was habe ich gewonnen? Zynismus siegt über Angst.

Der 23.05 also - seine Stimme nun wieder wärmer klingend. Und - fährt er fort - haben Sie das Wetter draußen bemerkt? Wie - fahre ich ihn an - sollte ich das nicht bemerkt haben? Immerhin habe ich Fenster - kann raus schauen. Immerhin - schreie ich ihn fast an - war ich heute einkaufen - wäre fast erfroren - fast von den Sturmböen von der Straße geweht worden - im Nebel ertrunken - vom Regen weggespült - und bei 3 Grad auf Glatteis geraten. Zufrieden nickt er mir zu - ja - das - so fährt er fort - muss in Ordnung gebracht werden. Dies - er atmet nun durch - liegt in Ihrem Verantwortungsbereich - dies müssen Sie richten. Da wortreiches Schreien wirkungslos bleibt - werfe ich ihm nun schweigend meine Fragen entgegen. Stumm starre ich ihn an - der Mund verkniffen - die Augen zu Schlitzen reduziert.

Also gut - er starrt mich aus grauen Augen an - Sie scheinen wirklich nicht zu verstehen? Meine Antwort? Schweigen! Er seufzt. Der Frühling und der Sommer können erst kommen wenn jede Katze auf der Welt ihr Winterfell verliert. Mit einem Platzen verlässt die Atemluft meine Lungen - mir so anzeigend - ich habe die Luft angehalten. Keuchend lasse ich frische Luft in die Lungen strömen. Wie? Ich versuche Worte zu finden. Wie? - setzte ich erneut an - der Frühling kann erst kommen - wenn sämtliche Katzen auf dieser Welt ihr Winterfell verlieren? Was ist das denn für eine - Entschuldigung - dumme Regel? Breite Schultern werden gehoben und wieder sinken gelassen. Graue Augen verbittert. Das hat etwas mit einem Geschehen zu tun. Geschehen? Ich kann nichts dagegen tun - meine Stimme ist nur noch ein Piepsen. Ja - irgendetwas von wegen Rettung des Osterfestes und damit der Welt vor ewigem Winter durch 3 Katzen - indem sie dem Osterhasen halfen den Osterhasenweg von den Wintertrollen zu befreien. Piepsig meine Stimme - kläglich - Osterhasenweg? Wintertrolle? Rettung der Welt vor ewigem Winter? Unbehaglich der Mann vor mir - als Dank durften sich die 3 Katzen etwas wünschen. Der eine Wunsch wurde als lachhaft abgetan. Welcher Wunsch? Meine Stimme hat immer noch keine Kraft. Surreal diese Unterhaltung. Meinen Erfahrungen mit den drei Katzen und meiner großen sprudelnden Phantasie sei dank - weigert sich mein Gehirn nicht - diesem Gespräch zu folgen. Gestreiftenlogik scheint doch in manchen Lebenslagen hilfreich zu sein. Sie härtet den Verstand ab.

Der Mann vor mir wedelt mit den großen Händen. Ja - erklärt er - der weiße Kater der beteiligt war - wünschte sich - dass der Winter erst vergeht - der Frühling erst kommt - wenn sämtliche Katzen auf dieser Welt ihr Winterfell verlieren. Und nun - er blitzt mich an - raten Sie mal um welchen Kater es sich hierbei handelt. Als mein Blick wie von selbst zum Kamin gezogen wird - auf einen weißen Kater - der schnarchend dort liegt - in seinem Bettchen - die Wärme des Kamins genießend - eine Pfote nun über den Kopf geschmissen - die drei anderen über den Rand des Bettchens - wird mir klar - von wem die Rede ist. Seymour! Daher - die Stimme weicher - liegt es in Ihrer Verantwortung. Sie haben diesen Kater aufgenommen - Sie haben die Verantwortung für ihn übernommen - daher liegt alles in Ihrer Verantwortung. Sorgen Sie dafür - dass er sein Winterfell verliert - damit die Welt wieder in ihre Ordnung fällt. Damit der Frühling kommen kann.

Wie soll ich das bitte bewerkstelligen? Ein Achselzucken - das - so erklärt er mir - ist Ihr Problem. Sie sind für ihn verantwortlich - also suchen Sie eine Lösung. Beginnen wir doch mal eine Antwort auf die Frage zu finden - warum er sein Winterfell nicht verlieren will. Nicht verlieren will? Irritiert schaue ich von dem Mann zu Seymour. Eine Erkenntnis klopft leise an die Tür zu meinem Bewusstsein. Als ich nicht gleich reagiere - immer noch stumm Seymour anstarre - wird das Klopfen lauter - Kopfschmerz überzieht meine Hinrinde. Ameisen laufen über die Kopfhaut. Risse bilden sich in meinem Verstand. Bilder sickern durch. Seymour - plüschig ausschauend in seinem Winterfell - vor dem kalten Kamin hockend. Jammernd - piepsend. Mit der Pfote gegen die kalte Scheibe patschend. Ein Blick in meine Richtung - dann hin zum kalten Kamin. Wissend - ich bin es - die ihn zum strahlen bringen kann. Erst dann - ja erst dann - wird sein Bettchen von unten erwärmt. Etwas - was einem spanischen Kater zusteht. Ein Feuer - knisternd im Kamin - diesen wärmend. Das Bettchen warm - kuschelig. Ein weißer Kater - plüschig sein Winterfell - in diesem ruhend - alle vier Pfoten von sich gestreckt - mit offenen Augen schlafend. Die Pfoten sich im Traum bewegend. Offene Augen blicklos im Schlaf.

Ich brauche nichts zu sagen - der Mann vor mir weiß - ich habe die Antwort. Bringen Sie - er nickt mir zu - das in Ordnung. Mein Blick - es fällt mir schwer - löst sich von Seymour - wendet sich dem Mann zu. Wie - ich flüstere nur noch - soll ich das bewerkstelligen? Es ist - der Mann wieder - in Ihrer Verantwortung. Es ist doch nur eine Katze. Nur - ich keuche - eine Katze? Haben Sie - frage ich - schon jemals das Vergnügen gehabt eine Katze kennengelernt zu haben? Ihr Schweigen deute ich als nein. Vor allem - hätten Sie eine Katze gekannt - wüssten Sie - ich bin als Mensch machtlos. Wenn er will dass der Kamin an ist - und dieser ist nur an - wenn es draußen kalt ist - kann nichts und niemand diesen Kater umstimmen. Die Welt wird sich dem anpassen - was er will. Und - ich deute mit dem Finger auf ihn - den Mann vor mir - mit der Erfüllung seines Wunsches haben Sie ihm alles gegeben - damit er seinen Willen bekommt. Von wegen - wettere ich - mein Verantwortungsbereich. Wer - meine Stimme wird lauter - ist schon so dumm einer Katze ihren Wunsch zu erfüllen - nur weil er naiv wirkt?

Sie wollen also nichts tun damit die Weltordnung wieder hergestellt wird? Der Mann vor mir - die Stimme nun kalt. Wollen? Ich schreie - kreische. Es ist eher - ich kann nichts tun. Also - wenn Sie uns nicht helfen wollen - eloquent wird meine Einlassung ob des Wollens und des nicht Könnens übergangen - werden wir alles in die Hand nehmen - und Sie werden mit den Folgen leben müssen. Ein paar Wedler mit der Hand - und unser Haus - unser Garten - ist ein wenig aus dem Zeitgefüge geraten. Ein paar Millisekunden nur - aber es reicht. Ich bemerke es anhand der Verschiebung - ein leichtes Zerren - ein leichtes Schwanken der Welt um mich herum. Dies - der Mann nun lächelnd - dürfte reichen. Ihr Kater existiert nicht mehr in der Welt der Menschen - somit hat nun jede Katze in der Welt ihr Winterfell verloren und der Frühling kann kommen.

So leise wie er kam - so verschwindet er auch. Kein Knall - kein Blitz - kein Rauch. Der Raum nimmt zu - expandiert um den Kern herum - den er mit seiner Größe einnahm. Die Worte hallen nach - dringen tropfenweise in meinen Verstand. Trotzdem - ich verstehe nicht - begreife nicht. Schaue Seymour zu - wie er - die Wärme des Kamins genießend in seinem Bettchen liegt - nun wieder alle 4 Pfoten von sich gestreckt.

Der Blick aus dem Fenster zeigt mir einen trostlosen Tag. Sturmgepeitscht der Himmel. Wolkentürme schwarz und schwer darüber treibend. Nebelwände dicht und schwer. Regen prasselt auf das Dach. Das Thermometer zeigt 3 Grad Außentemperatur an. Die Geranien immer noch der einzige Farbtupfer in dieser trostlosen Welt eines Maitages.

Der nächste Morgen bricht an - eine Nacht voller Regen und Sturms hinter sich lassend. Mein Blick in den Garten lässt nichts gutes vermuten. Schwarz der Himmel. Wolkentürme über Wolkentürme ihre schwere Last an Regen in den Garten entladen. Wind in den blattlosen Ästen der Platane. Drei Grad Außentemperatur sagt mir mein Thermometer. Seymour - vor dem Kamin hockend - erklärt mir - wortlos - Frauchen - einem spanischen Kater ist es zu kalt - also mach doch bitte ein Feuerchen im Kamin - auf dass mein Bettchen von unten erwärmt wird - oder ich gar neben dem Kamin die Wärme in mich saugen kann.

Kaffee, Toast, Butter - und sogar eine Diskussion mit dem Gestreiften ob der 4 Zutat zu dem Frühstück - welche seiner Meinung nach aus Käse zu bestehen hätte und nicht aus Marmelade - können meine trübe Stimmung nicht erhellen. Die Zeit verrinnt zäh im Nebel. Es klingelt - der Postbote. Ich öffne die Tür - Helligkeit schlägt mir entgegen - 20 Grad - Sonne - Frühlingsduft. Und nun - Pakete entgegen nehmend - verstehe ich alles. Wir in diesem Haus existieren ein klein wenig außerhalb der Zeit - nah genug an der eurigen - damit wir mit euch interagieren können - aber weit genug entfernt - damit ein unseliger Wunsch und dessen noch uneligere Erfüllung keinen Einfluss nehmen kann. In eurer Welt Sommer Sonne und endlich Wärme. Nicht mehr beeinflusst vom Frühlingsverhinderer - dem Kater - der sich weigert sein Winterfell zu verlieren - nur damit der Kamin sein Bettchen erwärmt.

Die Tür schließend - damit wieder zum Winter zurückkehrend - schaue ich zu Seymour - welcher wieder in seinem Bettchen auf dem Kamin ruht. Die Wärme des Kamins in sich aufnimmt. Diese genießt. Den Kopf in die Rundung seines Bettchens gepresst - alle vier Pfoten von sich gestreckt. Die Augen offen. Leise Schnarchgeräusche von sich gebend - während die Welt außerhalb - in unserem Garten im Nebel ertrinkt.




Kategorie: Kategorielos
Hits 254 Kommentare 0 Stichworte bearbeiten
Kommentare 0

Kommentare

 


Alle Rechte vorbehalten. Die Vervielfältigung von Informationen und Daten - insbesondere die Verwendung von Texten, Textteilen oder Bildmaterial - bedarf der vorherigen Zustimmung. Die Themen und Beiträge dürfen jedoch gerne verlinkt werden.
Das Katzenforum von Netz-Katzen.de