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Alt 20.11.2009, 15:37   #1
Eulenkind83
Stammschreiber(in)
 
Registriert seit: 30.10.2009
Ort: Zwischen Karlsruhe u. Pforzheim
Alter: 26
Beiträge: 1.081
Standard Schwanzabriss - das Todesurteil für Felix!

Meine Eltern und ich waren im September 2007 im Tierheim in KA und wollten uns nun für eine Katze entscheiden. Dort konnten wir die Katze, die für uns in die engere Auswahl kam, leider nicht mitnehmen, da sie noch krank war. Also versuchten wir, uns für eine andere Katze zu entscheiden. Plötzlich kam Felix (damals noch "Barcadi") aus seinem Katzenhäuschen und schaute und scheu an. Wir wurden sofort auf ihn aufmerksam und entschieden uns für ihn. Noch am selben Tag, den 19.09.2007 (mein Geburtstag !), durften wir ihn mit heim nehmen.
Bei uns daheim erkundete er sofort sein neues Revier und noch am selben Abend kam er auf meinen Schoss gesprungen und fing an zu schnurren und am mir zu knabbern!
Es war wie Liebe auf den ersten Blick!!!!!!
Felix entwickelte sich prächtig und nach einigen Wochen ging er LEIDER auch nach draußen um dort die Gegend unsicher zu machen! Ich hatte immer irgendwie Angst um ihn, denn meine erste Katze wurde überfahren, als ich 10 Jahre alt war und Tommi, unser zweiter Kater, wurde mit 4 Jahren von Nachbarn vergiftet.
Allerdings war es unmöglich (!) Felix drin zu behalten und er war immer so ausgelassen, wenn er von draußen rein kam. Er liebte es, draußen zu sein.
Am 01. Dezember 2008 kam er wie immer morgens rein, fras, putzte sich, legte sich kurz zum Ausruhen hin und ist dann nochmals raus gegangen (machte er oft so). Als er ca. 1 Stunde wieder kam, saß er auf der äußeren Fensterbank und maunzte. Da er ganz zusammen gekauert dasaß, nahm ihn mein Vater hoch und setzte ihn auf dem Fußboden ab. Dort blieb er auch bewegungslos sitzen und schaute meinen Vater nur an. Also nahm ihn mein Vater wieder hoch und legte ihn auf seinen Platz im Wohnzimmer auf der Fensterbank. Dort wollte Felix allerdings nicht bleiben, also legte ihn mein Vater auf seinen Platz auf der Couch.
Mein Vater bemerkte kleine Blessuren an Felix' Körper und schloss daher auf einen Kampf. Nie wären wir auf den Gedanken gekommen, dass es viel ernster war! Als meine Mutter mittags vom Geschäft heim kam, bemerkte sie auch, dass Felix in einem komischen Zustand war und ganz kalte Pfötchen hatte. Instinktiv deckte sie ihn zu und legte ihn auf unser Heizkissen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Felix in einem Schockzustand - er hätte sterben können, aber er kämpfte!
Als ich dann abends zu meinen Eltern fuhr, um Felix zu besuchen und mit ihm und meiner Mutter zusammen zum Tierarzt zu fahren, erschrak ich, als er wieder ganz zusammen gekauert am Boden saß! Es brach mir fast das Herz wie er mich ansah!!!!!
Also packten wir Felix in seine Transportbox und fuhren zum Tierarzt. Er stellte fest, dass Felix keinen Kampf hatte, sondern unter ein Auto gekommen war!!! Das zu hören war für meine Mutter und mich ein absoluter Schock, meine Mutter brach in Tränen aus, ich stand nur unter Schock!!! Aber das war noch nicht alles: er hatte einen angebrochenen Kiefer, Verletzungen an den Vorderpfoten und jetzt kam das Schlimmste: einen Schwanzabriss (also einen "Bruch" sozusagen). Dadurch war das Rückenmark quasi durchtrennt (ein Glück dass er überhaupt noch heim kam und nicht gelähmt war) und die Nerven für Darm und Blase waren auch durch (die verlaufen direkt beim Kreuzbein, also am Schwanzansatz). Dadurch war es Felix nicht mehr möglich, alleine Urin und Kot abzusetzen.

Die Ärztin behielt ihn über Nacht in der Praxis, dort bekam er gegen das Auskühlen eine Wärmelampe, Schmerzmittel und Infusionen. Am anderen Tag brachten meine Mam und mein Vater ihn nach KA in eine Tierklinik. Dort setzte man ihn sofort wieder an den Tropf, um auch zu versuchen, den Reflex der Blase und des Darms wieder anzuregen. Meine Mam und ich besuchten ihn alle paar Tage, denn wir spürten, dass er das brauchte. Er sollte sich nicht wieder abgeschoben fühlen und auch nicht von uns verlassen!!
Leider mussten ihm die Ärzte manuell 3 - 4 Mal täglich die Blase ausdrücken und öfters einen Einlauf machen!
Wie ich diese Zeit überstand will ich gar nicht erzählen... Jeden Tag heulte ich, auch im Geschäft!!! Ich hatte so panische Angst, Felix müsste sterben!! Ich wollte ihn nach nur 15 Monaten bei uns noch nicht gehen lassen!!!! Ich dachte wirklich jeden Tag, ich stehe das alles nicht durch!!!!!!!!
Doch am 15. Dezember durften wir den Kleinen endlich wieder mit heim nehmen. Die Ärzte sagten, er würde wieder von alleine Pipi machen, allerdings bräuchte er da so seine Zeit dafür und Konzentration. Kleine Kacke-Würstchen würde er auch machen.... Nun gut, wir glaubten ihnen natürlich und dachten schon, es würde alles gut werden. Daheim lief Felix sofort durch alle Zimmer und freute sich wie verrückt wieder daheim zu sein!!! Es war so wunderschön, ihn so ausgelassen durch die Wohnung galoppieren zu sehen!!!! Doch leider lief er auch ständig in seinen Katzenkasten um Pipi zu machen - leider kam nie etwas! Bis spät in die Nacht hinein versuchte er es, immer wieder, aber der Kasten blieb sauber und trocken. Irgendwann schaffte ich es, ihn ein wenig zu beruhigen und nahm ihn mit ins Gästebett, wo ich seit 2 Wochen schon schlief. Diese Nacht war wunderschön: ich kraulte ihn immer wieder und er schlief sogar! Jedesmal wenn ich ihn anfing zu streicheln schnurrte er wie eine kleine Maschine!
Am anderen Tag fuhren wir wieder in die Klinik, da er immer noch nicht Pipi oder Kacka machen konnte. Wir waren geschockt: sie behielten ihn wieder da und massierten ihm die Blase manuelll aus. Seine Nieren hätten aber angeblich noch keinen Schaden genommen und die Blutwerte seien auch OK....
Dann kam der Tag X, Donnerstag, der 18. Dezember: wir durften Felix wieder abholen und ihn mit heim nehmen. Man versicherte uns, er würde jetzt endlich allein pinkeln und Stinki machen. Daheim schlich er vorsichtig aus seinem Transporter. Sofort ging er Richtung Katzenklo, doch leider kam auch diesmal nichts. Unter größter Anstrengung versuchte er alle paar Minuten (!) Urin abzusetzen oder Kacka zu machen - beides vergebens. Kurz darauf musste meine Mutter kurz das Haus verlassen, um meinen Vater vom Geschäft abzuholen. Die Minuten allein mit Felix brachten mich fast um den Verstand: er versuchte weiterhin (wohl unter Schmerzen ?!) Pipi oder Kacka zu machen. Als er wohl merkte, dass es nicht klappt, lief er nacheinander zu all seinen Plätzen in unserer Wohnung, wo er sich immer schlafen gelegt hatte. An diesen Plätzen verharrte er kurz und ging dann zum nächsten Platz (um Abschied zu nehmen ?!). Als er alle Plätze durch hatte, legte er sich in der Küche unter den Tisch, wo er noch nie lag. Dort lag er dann mit gekrümmten und an den Bauch gepressten Hinterpfoten und sah mich an. Es fühlte sich an, als würde er mir erst etwas sagen wollen, danach schien es, als blicke er durch mich hindurch. Aber wie er mich so eindringlich ansah, wusste ich, jetzt war doch dieser schreckliche Moment gekommen und wir mussten ihn gehen lassen. Ich hoffte bis zuletzt, alles würde noch gut werden und wir müssten Felilx nicht gehen lassen (seine Chancen standen laut Arzt immerhin 50:50). Aber nun wusste ich was zu tun war: ich rief schnell und ganz außer mir meine Mum an und fragte sie, ob es noch lange dauern würde, bis mein Pa und sie daheim wären. Nach 3 Minuten waren sie zum Glück da. Felix lag weiterhin ganz verkrampft unter dem Küchentisch. Wir hielten nicht mehr wirklich viel von der Klinik in Karlsruhe und riefen spontan unsere Tierärztin an, die ihn sonst auch immer behandelte und bei der er ja schon die Unfall-Erstversorgung bekam.
Um 19.30 Uhr etwa trafen wir bei ihr ein, wir mussten ihn nun gleich gehen lassen. Aber für uns war es selbstverständlich ihn zu begleiten!!!!! Sie untersuchte ihn nochmal gründlich und stellte fest: seine Blase ist bis oben hin voll und er hat eine akute Verstopfung! Unfassbar für meine Mam und mich - wie konnten die Ärzte in Karlsruhe in einfach so zu uns heim gehen lassen? Oder gaben sie ihn einfach so auf?? Sie sagte, wir könnten ihn von seinem Leid erlösen oder man kann probieren, ihm einen Einlauf zu machen und eine Katheter zu legen. Felix war irgendwie schon nicht mehr ganz bei sich und lies alles um sich herum geschehen. Die Ärztin sagte aber auch, dass wir dann vielleicht in 1 Woche oder auch in 2 Wochen wieder am selben Punkt stünden: er müsste alle paar Tage einen Einlauf bekommen und wegen dem Katheter bräuchte er noch mehr und stärkere Medikamente, damit durch den Katheter keine Bakterien eindringen und womöglich bis in die Nieren oder den Bauchraum gelangen. Will man das einem Tier antun?? Felix war schon jetzt nicht mehr der lebensfrohe und lebendige kleine Kater, den wir kannten.... Außerdem sagte uns die Ärztin auch, dass es sein kann, dass das mit der Blase nie mehr gut werden wird!! Und so sah es ja auch aus. Wäre der Schwanz nur ein kleines Stück weiter hinten, Richtung Schwanzspitze, abgerissen, wären die Nerven noch intakt und er hätte keine Blasen- und Darmlähmung. Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm und uns!
Wir wollten ihm dieses Leid ersparen - ich weiß, dass das für ein Tier kein Leben wäre. Außerdem bräuchte er ständig Schmerzmittel, denn es ist sehr wahrscheinlich dass er diese hatte und gehabt hätte. Also gab ihm die Ärztin ein echt gutes Mittel, auch eine Überdosis, aber kein Narkosemittel, etwas Besseres! (Diese Spritze allein kostete glaube ich so um die 40 Euro). Aber es sei kein Gefühl wie beim Einschlafen bei einer Narkose, sondern noch viel sanfter (anscheinend das Neuste auf dem Tiermarkt). Daher sollte das Einschlafen auch 10 - 15 Minuten dauern - wie gesagt ganz sanft! Nach nur 2 Minuten wurde Felix ganz ruhig und lies sich von mir auf die Seite legen. Noch nahm er mich und meine Mutter wahr. Er lag ganz entspannt auf der Seite, seinen Kopf in meiner Hand. Meine Mam und ich streichelten ihn die ganze Zeit und ich redete ganz leise mit ihm. Was ich in diesen langen Minuten alles sagte, ich weiß es heute nicht mehr! Felix' Pupillen wurden ganz langsam immer größer und er schien sich ganz langsam immer weiter von uns zu entfernen. Irgendwann trat die Ärztin zu uns und hörte ihn ab. Sie sagte, dass er jetzt nicht mehr atmet, sein Herz schläge nur noch ganz ganz sachte. Nach weiteren 3 Minuten (?) hörte sie ihn nochmals ab, da sagte sie dann: "Jetzt ist er im Himmel." Keine Atmung mehr, kein Herzschlag mehr. Wir waren die ganze Zeit bei ihm und ich habe ihn bis zum Schluss gestreichelt (auch wenn er das laut Ärztin nach 5 - 7 Minuten schon nicht mehr wahrgenommen hat). Die Arzthelferin brachte uns ein kleines Papp-Kistchen, in das wir ihn legen konnten. Nun war er weg. Ich konnte es nicht begreifen.
Meine Mam und ich fuhren dann mit ihm im Kistchen wieder heim. Daheim stellten wir ihn in mein Zimmer im ausgebauten Keller. So war er immer noch bei uns (direkt unter meinem Zimmer, wo ich im Gästebett schlief). Am anderen Tag, Freitag, ging ich gleich nach dem Aufwachen zu ihm runter, ich wollte noch sein Kistchen verschöner und schmücken. Ich legte ihm meinen roten Angora-Wollschal in sein Kistchen (hab ihn damit zugedeckt). Sah schön aus, zusammen mit seinem schwarz-weißen Fell. Gestern Abend war er noch lauwarm und fühlte sich richtig lebendig an - jetzt war er kalt und steif! Also war seine Seele schon im Regenbogenland. Ich malte sein Kistchen an und schrieb ihm noch etwas darauf. Innen klebte ich ihm aus goldenen Fensterstickern einen eigenen Sternenhimmel rein. Damit er ihn immer bei sich hat! Zum Schluss legte ich ihm noch eine rote Rose auf den Schal.
Am Samstag fuhren wir zu dritt in unseren Schrebergarten. Dort huben wir ein kleines Grab neben Tommi's Grab aus (unser 2. Kater der damals vergiftet wurde). Ich setzte sein Kistchen in die Erde, mein Vater machte das Grab wieder zu. Oben drauf legten wir ihm noch eine zweite rote Rose, damit er sie vom Himmel aus sehen kann.
Meine Mam und ich gehen seitdem jede Woche zu ihm und besuchen ihn. Mir hilft das und ich hoffe, er sieht, dass wir ihn besuchen.
Gut geht es mir immer noch nicht, ich habe Schlafstörungen und heule an manchen Abenden viel! Meiner Mam gehts auch noch nicht so gut, glaube ich! Wenn wir über ihn reden, dann immer voller Freude und schönen Erinnerungen. Meine Mam hat daheim auch ein Bild von ihm aufgestellt - ich habe mir einen kleinen Schrein bei mir daheim gebaut (mit Bild, Katzenfigur, Engelchen und 3 seiner Spielsachen). An manchen Abenden schaue ich immer wieder voller Freude auf sein Bild, an anderen Abenden kann ich es kaum ertragen, denn dann geht es mir wieder sau-elend!! Ich hoffe, dass es Felix jetzt gut geht und er keine Schmerzen mehr hat!!!!!!!!

Mittlerweile begreife ich auch was der Satz bedeutet: „Wahre Tierliebe fängt an dem Punkt an, an dem man sein Tier gehen lassen kann.“
__________________
Britta mit Flix & Mia
und Sissi, Tommi & Felix im Herzen !!!

Der Mensch hält sich für klug,
aber Katzen sind unendlich viel klüger - und sie wissen das.
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